Chronik II

Seit 1620 besteht in Weitershain eine Schule, die in den ersten Jahren in einem Bauernhaus untergebracht war. Im Jahre 1664 wurde dann ein neues Schulhaus errichtet. Die damaligen Lehrer waren verpflichtet den Glöcknerdienst zu versehen und jeden Sonntag Lesegottesdienst zu halten. 1742 besuchten 25 Mädchen und 24 Jungen, eingeteilt in drei Klassen, die Schule. Aber auch im folgenden Jahrhundert blieb unser Dorf von Kriegsereignissen nicht verschont. 1757 waren Franzosen in Weitershain einquartiert und haben die Bevölkerung belästigt. Durch die Kämpfe im Siebenjährigen Krieg wurde unser Dorf noch mehrmals in Mitleidenschaft gezogen. Am 11. November 1877 wurde, nachdem man 200 Jahre eine Holzkirche besaß, eine steinerne große Kirche eingeweiht. Trotz dieser, von Hungersnöten und Kriegswirren gezeichneten Zeit haben sich im Jahre 1864 einige Männer unseres Dorfes zusammen gefunden um künftig einem gemeinsamen Anliegen zu dienen, nämlich den Gesang zu pflegen und ihre Liebe zur Heimat Ausdruck zu verleihen. Der Männergesangverein 1864 " Liederkranz Weitershain " war aus der Taufe gehoben. Ab 1864 brechen wieder mehrere Kriege aus. Im deutsch-französischen Krieg 1870 / 71 hatte unser Dorf wieder Opfer zu beklagen. Nach Ende des Krieges pflanzte man am Dorfeingang von Bernsfeld aus eine Friedenseiche und errichtete ein Gedenktafel.

Diese Gedenktafel wurde im Jahr 1998 auf Initiative des Ortsbeirates Weitershain einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Im Jahr 1904/05 erbaute man unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters und Kunstschlossers Peter Sann eine neue Schule mit Lehrerwohnung. Die Wetterfahne von auf dem neuen stolzen Schulgebäude der " Ilmetrutsch " gestaltet von Peter Sann, wurde praktisch zum Wappen von Weitershain. Heute befindet sich im alten Schulhaus eine Arztpraxis und eine Ergo- & Lerntherapiepraxis. Die letzten beiden Weltkriege 1914 - 1918 und 1939 -1945 brachten wieder großes Leid über unser Dorf. Viele junge Männer und Familienväter fielen auf den Schlachtfeldern in der ganzen Welt. Die Ehrenmale auf dem Friedhof berichten eindringlich davon. Am Gründonnerstag des Jahres 1945 rollten amerikanische Panzer durch Weitershain und amerikanische Soldaten bezogen Quartier. In den ersten schweren Jahren nach dem totalen Zusammenbruch fanden heimatvertriebene Familien aus dem Sudetenland und andere ehemals deutschen Ostgebieten Zuflucht und Bleibe in Weitershain.

In fast jedem Haus waren Vertriebene untergebracht. Die Dorfbewohner waren bemüht ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Schon bald nach Kriegsende begann die Bevölkerung unseres Dorfes mit Energie und Zuversicht sich neuen Herausforderungen zu stellen. Es wurden neue Häuser gebaut, die Ortstrassen wurden ausgebaut, eine zentrale Wasserversorgung in größtenteils Eigenleistung gebaut und in Betrieb genommen. Auch ein Abwasserkanalnetz konnte man bald seiner Bestimmung übergeben. Eine Interessengemeinschaft baute eine Gefrieranlage, heute ein Räumlichkeit für die Burschen- und Mädchenschaft. Seit dem Jahr 1965 sind in unserem Heimatort grundlegende Veränderungen eingetreten. Die bestehende zweiklassische Volksschule wurde aufgelöst und die Schüler ab dem 5. Schuljahr mussten nun die Gesamtschule in Grünberg besuchen. Nur zwei Jahre später wurde auch die Grundschule aufgelöst und die Grundschüler besuchen nun die Schule im Nachbarort Rüddingshausen.

Mit großem Erfolg beteiligt sich Weitershain seit 1973 an dem Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" 1979 / 1981 und 1983 wurde Weitershain sogar Bezirkssieger und ist damit zu einem der schönsten Dörfer des Kreises Gießen geworden. Der Ort Weitershain ist in einer großen Umgebung als Ort regen Vereinslebens bekannt. So veranstalten die Ortsvereine und die Burschen- und Mädchenschaft alljährlich eine Kirmes, bei der vor allem Ortsfremde und Neubürger die Spontaneität der Weitershainer Feierfreudigkeit kennen lernen. Wobei die Neubürger schnell in die Ortsgemeinschaft aufgenommen werden.

Auch feierliche Ereignisse wie Maskenbälle, Familienabende, Altennachmittage, die regelmäßig im Bürgerhaus stattfinden und von den örtlichen Vereinen veranstaltet werden, sollen in diesem Zusammenhang noch erwähnt sein. Auch seit der Renovierung des Backhauses wird jedes Jahr ein vom Ortsbeirat veranstaltetes Backhausfest ausgerichtet. Es ist immer wieder Anlass für die Bevölkerung sich an frisch gegrillten Haxen, Leberkäse, Würstchen und Bier vom Fass zu erfreuen, die Einnahmen kommen dann dem gesamten Ort zugute. Auch in Weitershain zu finden sind mehrere ortsansässige Unternehmen. Zu denen ein Telekommunikationsunternehmen, ein Elektrobetrieb, ein Radio- und TV Unternehmen, ein Bauunternehmen, ein Fliesenfachbetrieb, ein Blumenladen, ein seit über 25 Jahren bestehendes Forstunternehmen, eine Schreinerei, zwei Ärzte , eine Ergo-& Lerntherapiepraxis und ein Privatinstitut für Altlastensanierung, sowie zwei Gaststätten zählen.

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