Chronik I

Das Dorf liegt im Landkreis Gießen auf der Wasserscheide zwischen Zwester - Ohm und dem Lumdatal. Es gehört landschaftlich und geschichtlich zur Rabenau, dem oberen Teil des Lumdatales, das mit seinen schönen Wäldern, den schmucken Dörfern und seinen fruchtbaren Wiesen und Feldern zu den schönsten Gegenden unserer oberhessischen Heimat gehört. In den Wäldern um Weitershain jagten schon in der Jungsteinzeit, viele tausend Jahre v. Chr. Menschen, das sicher zahlreich vorkommende Wild. Die Völker, die schon die Metalllegierung der Bronze für ihre Speere und Pfeilspitzen verwandten, hielten sich hier viele hundert Jahre auf und lebten von der Jagd.

Historische Funde an den verschiedensten Stellen im Lumdatal, auch in der jetzigen Weitershainer Gemarkung beweisen, das unsere Gegend schon seit dem Ende der Altsteinzeit besiedelt war. Die Chatten, die um Christi Geburt unsere Heimat besiedelt hatten, wurden unter der Regierung Chlodwigs 1.(465-511 n. Chr.) dem großen fränkischen Reich angeschlossen. Unter der Herrschaft der Franken verbreitete sich das Christentum über unser Land. Aufzeichnungen und Urkunden verschiedener Klöster lichten das dunkel, das bis dahin über der Vergangenheit unserer Heimat lag. Endgültig besiedelt wurden die Weitershainer Fluren durch Rodung  schätzungsweise zur Zeit Karl des Großen. Die Franken betrieben damals eine systematische Siedlungspolitik in den Gebieten der angeschlossenen germanischen Stämme. Dazu wurden für Umsiedler neue Dorfgemarkungen erschlossen. Im Mittelalter gehörte Weitershain zum Gerichtsbezirk Londorf, wo sich auch der Sitz des Pfarrers befand. Die Gerichtsbarkeit wurde durch die Herren von Nordeck zur Rabenau ausgeübt. Erstmals im Jahre 1265 trat Weitershain aus dem geschichtlichen Dunkel. Durch beurkundete Besitzverkäufe und Schenkungen an Klöster erhalten wir Nachricht über die ersten Siedlungsanzeichen in Weitershain. In diesem Jahr wird Weitershain erstmals urkundlich sicher erwähnt. In einer Urkunde, zwei Jahre später z.B. überträgt der Ritter Walther von Nordeck am 23. Dezember 1267 seine Güter zu " Widradeshagen " und anderen Orten an den Deutschen Orden in Marburg. Aus den Urkunden tritt der Name Weitershain in sehr unterschiedlicher Schreibweise auf. Das beginnt in den Schriftstücken, in denen sicher von Weitershain die Rede ist, mit Widradeshagen, geht weiter mit der späteren Bezeichnung (1489) Widertzhayn, bis 1701 die Schreibweise Weytershayn in den Urkunden auftaucht und findet seinen endgültigen Abschluss mit der noch heute gültigen Bezeichnung Weitershain im Jahre 1791.

Ein Dorf ähnlichen Namens, Weitzenhain, existierte im Mittelalter an der Gemarkungsgrenze Richtung Rüddingshausen. Noch heute erinnert der alte Gemarkungsname "Zu Weitzenhain" an dieses untergegangene Dorf, dessen Kirchenstumpf, eine Bezeichnung, die ebenfalls als Gemarkungsname nachweisbar ist, noch lange zu sehen war. Das Dorf wurde nicht erst im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wie die Sage berichtet. Es wurde sicher viel früher aufgegeben und bestand schon während dieses Krieges als Wüstung. Die ehemaligen Bewohner haben sich vermutlich in Rüddingshausen und Weitershain angesiedelt. Nicht nur die im Mittelalter üblichen Abhängigkeiten bedrückten das Leben in einem kleinen hessischen Dorf.

Mit der harten täglichen Arbeit konnte sich eine bäuerliche Familie mit den notwendigsten Dingen versorgen. Traten schlechte Ernten oder Missernten auf, so gerieten die Bauern in Not. Hunger zog in das Dorf ein. Noch schlimmer wurde die Not, wenn eine Pestwelle ausbrach oder Kriegsvolk durchs Land zog. Immer wieder findet man in den Kirchenbüchern Hinweise auf solche Ereignisse. So auch im Jahre 1611 und 1612 wo die Pest in Weitershain wütete. Auch die folgenden Jahrzehnte brachten viel Unglück und Leid über Weitershain. Immer wieder durchzogen Reiter und Kriegsvolk während des 30- jährigen Krieges plündernd unser Dorf. Besonders in den Jahren 1626 und 1631 hatte die Bevölkerung unter den Kriegswirren zu leiden. Aber auch gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges 1645 bis 1648 fielen immer wieder schwedische Soldaten in das Land ein raubten, brandschatzten, drangsalierten Männer und besonders Frauen und hielten sich an den Bauern und Handwerkern schadlos.

Im Jahr 1577 bestanden 51 Haushalte in Weitershain. Es gehörte damit zu den größeren Dörfern in der Rabenau. Nur Rüddingshausen hatte mehr Haushalte. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert. Londorf und Rüddingshausen waren dann doppelt so groß an Einwohnern. Die Einwohnerzahl des Dorfes Weitershain bewegt sich seit dieser Zeit immer um die 500- bis heute. Im Jahre 1830 etwa besteht es aus 102 Häusern mit 465 Einwohnern, 75 Einwohner sind Bauern, 4 sind Handwerker. Die Bevölkerung unseres Dorfes ernährten sich von Ackerbau, Viehzucht und Verarbeitung von Flachs.  Die bot den Menschen nur einen kärglichen Lebensunterhalt. Dies führte dazu, das einige Weitershainer auswanderten und in der Fremde ihr Glück suchten. Nach der Bauernbefreiung wurde in Weitershain im Jahre 1831 die ersten Flurvermessungen durchgeführt. Die Gemarkung bestand damals aus 1275 Morgen Ackerland, 496 Morgen Wiesen und 30 Morgen Weideland.

Chroniken 2           und       Baafertaufe


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